Ein Appell: Weniger labern und mehr machen

Das ist ein spontaner und nicht geplanter Post. Ein wichtiger Post. Ein Appell an uns alle.

Bitte lest diesen Post mit dem Wissen: ich bin mir darüber bewusst bin, dass ich selbst über viele der Dinge, die mich hier aufregen, bereits gepostet und geschrieben habe. Ich habe all das bereits einmal getan. Das ist/war der Sinn meines Blogs. Über Inspiration/Motivation für ein besseres und enspannteres Leben und vor allem Persönlichkeitsentwicklung zu schreiben. Doch jetzt ist alles anders. Oder auch nicht.


Besonders jetzt zum Jahreswechsel ist mein Instagram Feed fast geplatzt vor lauter „Das sind meine Vorsätze…“, „So werde ich das neue Jahr beginnen…“, „So wird 2019 endlich dein Jahr“-Posts. Selbst Accounts, die sich normalerweise weniger mit Mindset und Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen, haben etwas dazu geschrieben. Klar, es ist ihr Account und ihre Meinung. Sie dürfen das. Ich mache das ja auch. Viele Menschen lassen sich durch solche Posts inspirieren. Ich mache das ja auch. Was genau hat mich dann Mittwoch Abend gegen 23.27 Uhr so heftig an all dem gestört? 

Es war ein Mix aus vielen Faktoren. Ich versuche mal etwas Klarheit in meine Gedanken zu bringen und euch dadurch etwas wach zurütteln.

Girlbossheaven Appell Persönlichkeitsentwicklung

1.Es geht nur um Optimierung

Höher, schneller, weiter. Fast wie im Leistungssport. Unser Alltag muss immer besser werden, mit den effizientesten Routinen und dem perfekten Mindset. Unser Leben ist ein Leistungssport geworden. Man darf mit nichts mehr zufrieden sein. Ihr habt ein Ziel erreicht? Egal, es warten noch mindestens 5 andere auf eurer „Goals for 2019“ Liste. Also schnell weiter. Husch, husch. Keine Zeit zum stolz auf sich sein.

….Und spätestens hier muss man sich stoppen.

Dinge zu verbessern, zu optimieren, zu verändern, um sich damit das Leben zu erleichtern (ich bin ja ein Fan von Routinen: click) ist etwas Gutes. Bis zu einem gewissen Grad. Man darf auch mal mit etwas zufrieden sein – kurzfristig oder langfristig. Zufrieden sein mit dem Status quo bedeutet nicht automatisch schwach zu sein oder Angst vor Veränderungen zu haben. Nicht alles muss verbessert, optimiert und verändert werden. Es gibt Dinge, Abläufe, Routinen in unserem Alltag, die sind gut so wie sie sind. Wir sind gut so, wie wir sind. (click)

Mittlerweile ist es schon fast ein Trend geworden sich konstant weiterentwickeln zu müssen. Ein Trend, der schnell ungesund werden kann. Heißt die Veränderung und Optimierung in eurem Leben willkommen, wenn sie angebracht ist und ansonsten seid verdammt noch mal zufrieden mit dem, was ihr habt und wie es ist.

Melina von vanilla mind hat hierzu einen tollen Blogpost geschrieben (click)

2. Jeder ist ein Life Coach

Oh boy. Ganz heikles Thema. Angestoßen wurde dieser Gedanke durch die Instagram Story einer jungen Frau, welche ganz stolz den Grund für ihr etwas längere Abwesenheit auf ihrem Kanal bekannt gab: sie hat sich als Lifecoach selbstständig gemacht. Mein erster Gedanke war: oh nein, nicht schon wieder jemand

Kontrovers an der ganzen Geschichte ist, dass ich selbst vielen Coaches (für verschiedene Bereiche) auf Instagram folge und auch einige kenne, die selbst das Ziel verfolgen einmal als Coach zu arbeiten. Ich finde den Gedanken beeindruckend, dass so viele von uns jungen Menschen etwas zu sagen haben und sich selbstständig machen wollen. Go for it. Wenn es Menschen gibt, denen ihr mit euren Dienstleistungen weiterhelfen könnt, dann ist das super.  Und jetzt kommt trotzdem das große Aber

Aber diese Flut an neuen Coaches, die wie Unkraut aus dem Boden sprießen, steht sinnbildlich für unsere Generation und unser großes Problem: Es geht nur um Optimierung. Alles andere scheint auf der Strecke zu bleiben. Ihr seid zufrieden mit euch … das kann nicht sein! Hier ein Coach, der euch das Gegenteil beweist…

Warum brauchen wir so viele Coaches? Und vor allem Coaches, für Bereiche in unserem Leben, die doch auf natürliche Art und Weise von selbst laufen sollten. Etwas in deinem Leben fühlt sich nicht richtig an? Du merkst, dass deine Einstellung nicht die richtige ist? …. Erstmal einen Coach fragen, wie ich das am besten ändern kann. FALSCH! Einfach deiner Intuition und deinem Verstand folgen und es ändern. Nicht lange beraten, abstimmen, inspirieren lassen. Nicht so viele Einflüsse von außen das eigene Leben und die Einstellung dazu beeinflussen lassen. Einfach mal selbstbestimmt Verantwortung für das eigene Leben übernehmen und … ja… einfach der Nase nach. Nur so könnt ihr sichergehen, dass das was ihr ändert und wie ihr es ändert gut für euch ist und zu eurem Wesen passt. In welcher Gesellschaft sind wir gelandet, dass wir erstmal alles zer-denken und abwägen, bevor wir auf unsere Intuition und unseren Verstand hören?!

3. Man ist mit nichts mehr zufrieden

Mit nichts mehr zufrieden sein, obwohl doch gerade vieles in meinem Leben so ist, wie ich es mir erträumt habe.  Das ist krank. Das macht einen auf Dauer kaputt. Und genau das habe ich mir am Mittwoch um 23.27 Uhr gedacht. Ich war gerade dabei an meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit zu feilen. Ein Projekt, welches mir sehr am Herzen liegt und welches ich aus eigenem Antrieb ins Leben gerufen habe. Und während ich schön fleißig am Umbauen meiner Website war, kamen mir folgende Gedanken:

„Du arbeitest jetzt vielleicht an deiner nebenberuflichen Sellbstständigkeit, aber hast du dich heute schon mit deinem Mindset beschäftigt und etwas dazu gelesen?“

„Eigentlich wolltest du doch schon längst eine noch bessere Morgenroutine etabliert haben“

„Im neuen Jahr solltest du unbedingt bewusster Leben…und bitte fange an mehr an dich zu glauben“

„So wie du an deinen eigenen Projekten arbeitest ist es noch nicht effizient genug. Mehr Hustle-Mode“

Und schon sind meine Gedanken abgeschweift – weg von meiner aktuellen Aufgabe . Ich wurde unruhig. Fing an zu zweifeln. Habe mich selbst geschimpft, warum ich an den oben genannten Sachen nicht schon längst gearbeitet habe. Wurde sauer auf mich selbst, dass ich so wenig auf die Reihe bringe. Was ist dann passiert?

Ich hab mir selbst einmal genau zugehört; diese Vorsätze hinterfragt … und gemerkt, dass ich mich beschallen lassen habe von den Vorsätzen, Zielen und Plänen anderer. Dadurch habe ich sie unbewusst adaptiert und auf meine eigene Agenda gesetzt. Mich dadurch unglaublich unter Druck gesetzt. Erst habe ich es gar nicht gemerkt und mir nur gedacht: Warum fällt es mir so schwer diesen Zielen nachzukommen? Antwort: Weil es nicht meine eigenen waren.

So habe ich an mich selbst den Appell gerichtet, mich mehr von Accounts zu distanzieren, die einen schlauen Pinterest Spruch nach dem anderen raushauen, ohne jemals „Ergebnisse“ vorweisen zu können. Ich muss mehr auf mich selbst hören und nur an Dingen arbeiten, die ich selbst aus eigenem Antrieb an mir und meinem Leben ändern möchte. Alles andere bleibt so, wie es ist. Ich darf auch mal zufrieden sein. 

4. Persönlichkeitsentwicklung ist zuallererst eines – privat

Persönlichkeitsentwicklung ist zu etwas sehr öffentlichem geworden. Auch ich habe bis vor kurzem darüber meine Blogposts geschrieben. Öffentlich über das Thema zu sprechen und sich somit mit anderen auszutauschen ist etwas Positives und meistens Hilfreiches.

Dennoch ist mir an eben besagten Mittwoch bewusst geworden, dass wir viel zu sehr damit beschäftigt über diese Dinge auf Social Media zu schreiben und zu sprechen, anstatt sie einfach zu tun. Natürlich werfe ich hier niemandem vor, dass sie nur reden und ihre eigenen Ratschläge dann nicht befolgen. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Dennoch stelle ich mir die Frage: Warum schreibt man das alles – die Ziele, Vorsätze, Wünsche – nicht nur für sich selbst auf und arbeitet dementsprechend für sich selbst daran.  Eure Ziele bringen anderen ja nichts. Die sind nur für euch da. Was ist aus „Work hard in silence and let success be your noise“ geworden?

Girlbossheaven Appell Persönlichkeitsentwicklung

5. Social Media ist Ort der Inspiration, kein Psychiater 

Viele der Posts, die mir täglich über den Weg laufen, kratzen nicht nur an der Oberfläche. Sie wollen die Leute anregen sich auf einer anderen Bewusstseinsebene mit Themen zu beschäftigen. Beim Lesen vieler Posts habe ich persönlich manchmal das Gefühl, als würde ich einem Psychiater gegenübersitzen, der ganz tief in meine Seele und mein Bewusstsein eindringen möchte. Geht euch das auch manchmal so?

Social Media sollte lediglich ein Ort der Inspiration sein, wo ich ganz entspannt und „locker-luftig-leicht“ mich etwas inspirieren lassen kann. Es sollte kein Ort sein, der mich dazu bringt alles – wirklich alles – in meinem Leben zu hinterfragen…sodass ich am Ende tatsächlich am liebsten mit einem Psychiater darüber sprechen wollen würde (hart ausgedrückt). Ich denke, dass einige von uns tatsächlich sehr gut Ratschläge zu bestimmten Lebensbereichen geben können, da sie da schon einiges an persönlichen Erfahrungen gemacht und eine gewisse Portion Menschenverstand haben. Aber wir sollten aufhören uns wie die allwissenden Ratgeber zu verhalten, die in ihren 20igern die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Warum teilen wir nicht weiterhin tolle Erfahrungen aus unserem Leben und inspirieren die Menschen dadurch.

Durch Taten inspirieren. Durch Ergebnisse inspirieren. Durch das Erreichen von Meilensteinen inspirieren.

6. Du bist zu 100% selbst verantwortlich für dein Leben

Ironie: die Inspiration für diesen letzten Punkt kommt tatsächlich aus einem der – zurecht – gehypten Ratgeber Büchern (Review kommt):

How to get from where you are to where you want to be von Jack Canfield

Im Leben geht es letztendlich darum, wie wir auf die Dinge reagieren, die uns „passieren“. Wir können uns noch sehr darüber aufregen, dass den „guten Menschen“ so oft „böse Dinge“ geschehen, aber letztendlich können wir daran nichts ändern. Was wir ändern und beeinflussen können, ist die Art und Weise, wie wir darauf reagieren und was wir daraus machen.

Ich bin von der starken Überzeugung, dass jeder eine Intuition besitzt und diese dafür zuständig ist dabei zu helfen, wie man reagieren soll und wie man Dinge in Leben angehen soll. Klar, eine Portion gesunder Menschenverstand schadet nie. Aber dennoch braucht man keine 10000 Posts vorher durchlesen, um zu wissen, wie man auf Dinge reagieren soll. Versteht ihr was ich meine? Es geht nur darum, wie ihr darauf reagieren wollt. Ihr seid der Schlüssel zu der Antwort, die ihr sucht. Löst euch davon erst von einer externen Quelle inspiriert werden zu müssen. Ihr könnt da auch ohne.

Jana von maedchenhaft.net hat einen tollen Beitrag geschrieben, den ich hier gerne erwähnen möchte. Es geht übers bei sich selbst ankommen vor allem in Bezug auf Beziehungen. „Man wächst an seinen Erfahrungen. An den guten und den schlechten Momenten.“. (click)


So, jetzt ist es raus. Ich bin froh, dass es diesen Moment am Mittwoch um 23.27 Uhr gab. Denn seitdem fühlt es sich an, als wäre eine Last von meinen Schultern gefallen. Alles fühlt sich gerade wieder viel entspannter und leichter an. Wenn ihr mögt, dann lasst mir einen Kommentar da. Hier oder auf Instagram. Oder macht euch einfach mal eure eigenen Gedanken dazu. 

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