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Hoffnung, die Droge?

me photography portrait

When the world says
‘Give up’
Hope whispers
‘Try it one more time’ – Unknown (Found in ‘She means Business’ by Carrie Green)

Für mich ist Hoffnung wie eine Droge. Das muss ich wohl offen zugeben. Wenn andere Menschen an meiner Stelle bereits aufgegeben hätten, bin ich noch voller Hoffnung. ‚Das wird bestimmt noch‘ sage ich mir und bin noch nicht bereit aufzugeben. Ich mache weiter. Glaube oft zu lange an Menschen, die es eigentlich nicht wert sind. Habe zu lange Hoffnung, dass sie sich doch noch ändern werden. Die Hoffnung erfüllt mich komplett und verdrängt alle anderen Gedanken und Warnungen. Ich kann einfach nicht aufgeben, bevor ich nicht alles in meiner Macht stehende probiert habe. Ob das gut ist? Ja, das frage ich mich auch manchmal. Ehrlich gesagt: meistens falle ich damit auf die Schnauze. Die Menschen, an die ich so lange geglaubt habe waren es am Ende tatsächlich nicht wert. Und alle andern hatten mal wieder Recht gehabt. Auch wenn ich nach jeder Enttäuschung lerne, dass ich beim nächsten Mal doch eher auf meinen klaren Verstand hören sollte … so lasse ich mich jedes Mal wieder von der Hoffnung einnebeln. Wie von einer Droge.

hope drug photography pink bottle hoffnung

Jetzt stelle ich mir in meinen klaren Momenten tatsächlich oft die Frage ‚Franziska, war es das wert?‘. In Gedanken gehe ich alles nochmal durch, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich – von der Hoffnung benebelt – alles gedacht habe und warum ich so gehandelt habe. In dem Moment hat es sich so richtig angefühlt. Und ist es nicht das, was zählt? Dass es sich in dem Moment richtig angefühlt hat und ich zufrieden war?
Ich stehe in den meisten Fällen hinter meinen Entscheidungen – auch hinter den von Hoffnung benebelten – trotzdem komme ich nicht daran vorbei mir nochmal Fragen zu stellen, die meine Einstellung zur Hoffnung hinterfragen.

Durch die Hoffnung auf etwas Gutes, auf das Gute in Menschen, gebe ich Menschen immer zu viel von mir preis. Ich lasse mich oft so behandeln, wie es mein klar denkendes Ich nicht akzeptieren würde. Ich gebe mich mit weniger zufrieden, als ich sollte. Möchte ich das alles wirklich? Sollte ich nicht langsam Abstand nehmen von der Droge Hoffnung? Sollte ich nicht immer das klar denkende Ich verkörpern? Es fällt mir tatsächlich schwer auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Denn die Hoffnung erlaubt es mir für ein wenig länger ausschließlich das Gute in Menschen zu sehen. Und nicht – die oft unschöne – Realität. Die muss ich schließlich noch früh genug sehen. Ist diese Art des … Augen Verschließens? … Wegsehens? … Ignorierens? wirklich etwas, das ich als junger und aufgeklärter Mensch tun sollte? So viele Fragen auf die ich keine Antwort finde.

Vielleicht bin ich abhängig von der Hoffnung. Vielleicht möchte ich auch einfach einer dieser Menschen sein, der immer zuerst positiv an Menschen herangeht und sie nicht gleich aufgibt, nur weil sie sich nicht ‚ideal‘ verhalten…. Definitiv möchte ich einer dieser Menschen sein! Ich brauche diese Menschen auch in meinem Leben. Damit sie mich nicht gleich aufgeben, wenn ich mich mal wieder nicht dem Ideal entsprechend verhalte.

Ich werde also weiterhin die Droge Hoffnung konsumieren. Ganz bewusst. Aus freien Stücken heraus.

writing hope Hoffnung

 

*The two pictures above were found on Pinterest

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3 Comments

  • Reply GirlBossHeaven - Gedanken zum Thema "Loslassen"- GirlBossHeaven.de

    […] Das wird wohl einer meine Neujahresvorsätze. Antworten auf diese Fragen finden. Oder mir einfach nicht mehr solche Fragen stellen. Letzteres wäre wohl effektiver. Vielleicht sollte ich auch Abstand von der Droge „Hoffnung“ nehmen. Mit diesem Thema habe ich mich auch neulich beschäftigt. Lest hier. […]

    2017-12-03 at 9:06 PM
  • Reply Kati

    Liebe Franziska,

    was ein hervorragender Artikel, der beide Seiten gleichermaßen beleuchtet. 😊

    Er gefällt mir richtig gut! 😍 Und auch deine Lösung am Ende.

    Viele liebe Grüße und hab ein schönes Wochenende,

    Kati 💕

    2017-11-11 at 9:42 AM
    • Reply Franziska

      Liebe Kati,

      ich habe deinen Kommentar bereits gesehen, als du ihn geschrieben hast und nun antworte ich doch erst jetzt darauf.

      Es freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefällt.

      – Franziska

      2017-11-24 at 6:37 PM

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